400 Jahre Reeperbahn - Chronik
Vom Festungswall zur Feiermeile – St. Pauli in Kurzform
Willkommen am Tor zur Reeperbahn – früher Sperrgebiet, heute Sperrbezirk mit Leuchtreklame.
Wo jetzt Touristen strömen, standen im 17. Jahrhundert meterdicke Wälle. Hamburg hatte sich mit einer Hightech-Festung aus dem Jahr 1626 gegen die Welt abgesichert – inklusive Millerntor als einziger Durchlass Richtung „Hamburger Berg“. Dahinter begann: draußen. Also das, was man heute St. Pauli nennt. Und was lange offiziell so etwas wie „nicht ganz Hamburg“ war.
Die eigentlichen Stars hier waren aber keine Partygänger, sondern Reepschläger. Die drehten auf bis zu 300 Meter langen Bahnen Schiffstaue – echte Muskelarbeit mit Hanf, Teamgeist und ordentlich Zug drauf. Gearbeitet wurde draußen, gewohnt werden durfte hier nicht: freies Schussfeld vor der Stadtmauer. Dänische Nachbarn? Ein Pesthof. Stimmung: übersichtlich.
Dann kamen 1814 die Franzosen, brannten alles ab, gingen wieder – merci dafür. St. Pauli wuchs danach im Eiltempo zur Vorstadt mit Vergnügungsgarantie. Aus Buden wurden Theater, aus dem „Hamburger Berg“ eine Amüsiermeile. Und als 1860 die Torsperre fiel, war endgültig Schluss mit Torschlusspanik – feiern rund um die Uhr war eröffnet.
1883 packten die letzten Reepschläger ihre Seile ein. Stahl war stärker, Dampfschiffe schneller, die Stadt gieriger nach Baugrund. Zwei Jahre später stand hier eine Schule.
Vom Festungsrand zur Feierzone in gut 250 Jahren – Hamburg kann Wandel. Und St. Pauli sowieso
Und dann? Wurde’s laut.
Wo früher Hanfseile auf Spannung gedreht wurden, drehte sich bald das Karussell der Unterhaltung. Der Spielbudenplatz tauschte Holzbuden gegen feste Häuser, Eintrittskarten ersetzten Handwerkerschürzen – und St. Pauli wurde offiziell 1833 beim Namen genannt.
Der Hafen wuchs zum „Tor zur Welt“, Dampfschiffe pufften los, Stahlseile machten den Reepschlägern den Garaus – und die Reeperbahn erfand sich neu: erst Jahrmarkt, dann Theatermeile, schließlich Rotlicht mit Weltruf.
Kurz gesagt:
Aus freiem Schussfeld wurde freies Nachtleben.
Aus Bastionen wurden Bars.
Und aus einem Stück Vorstadt das vermutlich bekannteste Stück Hamburg.
St. Pauli eben – immer ein bisschen außerhalb. Und genau deshalb mittendrin.
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